
Die schönsten Sehenswürdigkeiten auf Gran Canaria
Gran Canaria ist nicht die Insel, für die viele sie halten. Wer nur an Strandhotels, Pool und Cocktails im Süden denkt, hat im Grunde nur den Rand gesehen. Denn sobald du dich ein paar Kilometer landeinwärts bewegst, wird aus dem Badeziel ein „Kontinent im Miniaturformat“: Wüstendünen, Kiefernwälder, Vulkankrater, Bergdörfer und eine Hauptstadt mit kolonialer Altstadt und einem der längsten Stadtstrände Europas. All das auf einer Insel, die du an einem Tag einmal komplett umrunden kannst.

In diesem Guide zeige ich dir die schönsten Sehenswürdigkeiten auf Gran Canaria, sortiert nach Regionen, sodass du dir daraus problemlos deine eigene Route bauen kannst. Mit den großen Klassikern, ein paar Orten, die nicht jeder sofort auf dem Schirm hat, und konkreten Tipps zu Anreise, Mietwagen und dem ein oder anderen kulinarischen Pflichtprogramm.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Roque Nublo ist das Wahrzeichen der Insel, und die Wanderung dorthin ist deutlich kürzer und einfacher, als viele denken.
- Im Süden liegt das Wetter, im Norden die Kultur: Maspalomas ist fast immer sonnig, Las Palmas und der Norden öfter bewölkt. Pack also auch dann eine Jacke ein, wenn unten 28 Grad herrschen.
- Ohne Mietwagen verpasst du das Beste. Die echten Highlights liegen im Inselinneren und im Norden, nicht an der Hotelmeile.
- Das kanarische Nachmittagsritual heißt Barraquito, ein geschichteter Kaffee mit Kondensmilch, Likör und Zitrone. Allein dafür lohnt sich die Pause.
- Mein Tipp für die Unterkunft: Wer Insel statt Pauschalurlaub will, wohnt am besten in Las Palmas (Vegueta) und fährt von dort raus. Das Boutique Hotel Cordial Plaza Mayor de Santa Ana ist mein absoluter Favorit.
Anreise nach Gran Canaria
Gran Canaria hat nur einen Flughafen (LPA), der ziemlich genau zwischen Las Palmas und dem Süden liegt. Von Deutschland aus fliegst du je nach Abflugort rund vier bis viereinhalb Stunden, Direktverbindungen gibt es das ganze Jahr über reichlich. In der Nebensaison sind die Preise oft erstaunlich niedrig, gerade mit den günstigen Airlines. Hier findest du die günstigsten Flugpreise nach Las Palmas.
Vom Flughafen kommst du in beide Richtungen gut weg. Nach Las Palmas fährt die Schnellbus-Linie in rund 30 Minuten, in den Süden nach Maspalomas dauert es etwa genauso lang. Wenn du aber wirklich was von der Insel sehen willst, hol dir direkt am Flughafen einen Mietwagen.
Mein Tipp: Buche das Auto vorab online, nicht erst vor Ort. Spontan am Schalter wird es fast immer teurer, und in der Hochsaison sind die kleinen, sparsamen Modelle schnell weg. Für die Bergstraßen reicht ein Kleinwagen völlig, einen SUV brauchst du nicht.

Der Süden: Dünen, Leuchtturm und ein Mini-Venedig
Dunas de Maspalomas
Das Bild, das die meisten von Gran Canaria im Kopf haben: eine echte Wüste mitten am Meer. Die Dünen von Maspalomas ziehen sich über mehrere Kilometer zwischen Playa del Inglés und dem Leuchtturm, sind bis zu zehn Meter hoch und stehen unter Naturschutz.
Lauf nicht einfach quer durch. Such dir lieber Zeit und Licht aus: Am frühen Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang wirft der Sand lange Schatten, die Farben werden warm, und es sind kaum Leute unterwegs. Mittags dagegen ist es heiß und voll, das schwächste Zeitfenster für einen Besuch.
Mein Tipp: Den besten Überblick über die schiere Größe der Dünenlandschaft hast du nicht mittendrin, sondern von der Aussichtsplattform oberhalb am Riu Palace. Von dort wirkt das Ganze fast unwirklich.

Faro de Maspalomas
Am südlichsten Punkt der Dünen steht der alte Leuchtturm, einer der ältesten noch aktiven der Kanaren. Drumherum hat sich eine entspannte Promenade entwickelt, ideal für den Sonnenuntergang. Du brauchst hier nichts zu „machen“. Ein Spaziergang am Wasser, ein Getränk, der Blick aufs offene Meer reicht völlig.

Mirador Degollada de las Yeguas
Auf dem Weg vom Süden ins Bergland lohnt sich ein kurzer Stopp an diesem Aussichtspunkt an der GC-60. Der Blick fällt über karge, zerfurchte Schluchten, die der Landschaft den Spitznamen „Mini Grand Canyon“ eingebracht haben. Ein perfekter Zwischenhalt, um aus dem Strandurlaub langsam ins wilde Innere der Insel zu wechseln.

Puerto de Mogán
Im Südwesten liegt der wohl hübscheste Ort der Insel. Puerto de Mogán wird gern „Klein-Venedig“ genannt, weil sich kleine Kanäle durch das Hafenviertel ziehen. Weiße Häuser, Bougainvillea an den Wänden, kleine Brücken und ein gemütlicher Fischerhafen.
Komm möglichst nicht zur Mittagszeit, wenn die Ausflugsboote ihre Tagesgäste abladen. Am späten Nachmittag, wenn die Busse weg sind, kehrt Ruhe ein und der Ort zeigt sich von seiner schönsten Seite. Freitags ist Markttag, dann wird es lebhaft, aber auch deutlich voller.

Die beste Aktivität im Süden
Du merkst, der Süden hat einiges zu bieten! Wenn du Lust auf noch mehr Abenteuer hast, dann kann ich dir eine Offroad-Buggytour empfehlen- macht richtig viel Spaß! Du kannst damit wunderbar abgelegende Gegenden und Strände erkunden. Buche das Ticket dafür am besten im Vorfeld, um dir den günstigen Preis zu sichern.
Das Inselinnere: Roque Nublo und die Bergdörfer
Roque Nublo
Wenn es ein Bild gibt, das Gran Canaria abseits der Strände prägt, dann dieses: ein 67 Meter hoher Felsmonolith, der auf rund 1.800 Metern Höhe wie ein Finger in den Himmel ragt. Für die Ureinwohner war der Roque Nublo eine Kultstätte, heute ist er das Ziel der vielleicht schönsten Wanderung der Insel.

Und die ist machbarer, als sie aussieht. Vom Parkplatz La Goleta (an der GC-600) bist du in rund 30 bis 45 Minuten oben, der Weg ist gut markiert. Festere Schuhe solltest du trotzdem anziehen, das letzte Stück ist felsig und bei Trockenheit etwas rutschig. (Hier gehts zur Route) Auf den Felsen selbst darf man nicht klettern, aber das Plateau davor liefert schon den ganzen Wow-Moment: Bei klarer Sicht siehst du im Westen den Teide auf Teneriffa aus dem Wolkenmeer ragen.
Mein Tipp: Geh früh los. Im Winter macht der „Wolkenfelsen“ seinem Namen alle Ehre und verschwindet ab dem späten Vormittag gern in den Wolken. Wer um neun oben ist, hat oft die beste Sicht und die wenigsten Leute.
Tejeda
Nur ein paar Kurven vom Roque Nublo entfernt liegt Tejeda, regelmäßig auf der Liste der schönsten Dörfer Spaniens. Weiße Häuser klammern sich an den Hang, dahinter der ganze Talkessel. Ein perfekter Ort für eine Mittagspause nach der Wanderung.

Tejeda ist außerdem berühmt für seinen Bienmesabe, eine süße Creme aus gemahlenen Mandeln, Honig und Eigelb. Schau in eine der kleinen Dulcerías im Ort, das ist hier kein Touristenkitsch, sondern echte lokale Spezialität.
Pico de las Nieves
Der höchste Punkt der Insel liegt auf knapp 2.000 Metern und ist bequem mit dem Auto erreichbar. Vom Aussichtspunkt blickst du über das gesamte gebirgige Herz Gran Canarias, mit dem Roque Nublo im Vordergrund. Das Besondere ist der Kontrast: Du stehst quasi über den Wolken, während unten am Strand die Leute baden.

Barranco de Guayadeque
Ein echter Geheimtipp ist diese Schlucht im Osten der Insel. Beeindruckend sind die steilen Hänge und die üppige Vegetation, vor allem aber die Höhlenwohnungen, in denen bis heute Menschen leben. Es gibt sogar Restaurants, die direkt in den Fels gebaut sind. Hier spürst du am ehesten, wie Gran Canaria vor dem Tourismus tickte.

Der Norden & Las Palmas: Stadt, Strand und Geschichte
Vegueta – die Altstadt von Las Palmas
Las Palmas wird von Inselurlaubern oft links liegen gelassen. Ein Fehler. Die Hauptstadt hat zwei Gesichter: im Norden den Strand, im Süden die koloniale Altstadt Vegueta. Kopfsteinpflaster, herrschaftliche Holzbalkone, die mächtige Kathedrale Santa Ana und das Casa de Colón, das an Christoph Kolumbus erinnert, der hier auf seinem Weg nach Westen Halt machte.
Lass dich einfach durch die Gassen treiben. Sonntags ist Vegueta besonders schön, wenn die Einheimischen zum Aperitif unterwegs sind. Die Kathedrale kannst du übrigens auch von innen besichtigen, und wer den Turm hochfährt, bekommt einen tollen Blick über die Dächer.

Playa de las Canteras
Mitten in der Stadt liegt einer der schönsten Stadtstrände Europas: rund drei Kilometer goldener Sand, dahinter eine lange Promenade voller Cafés und Restaurants. Ein vorgelagertes Riff (La Barra) bricht die Wellen, sodass das Wasser über weite Teile ruhig und zum Schwimmen ideal ist.
Mein Tipp: Geh zum Sonnenuntergang her. Die Promenade füllt sich, die Stimmung wird locker, und der Himmel über dem Atlantik macht oft ein Spektakel. Am Wochenende ist hier halb Las Palmas unterwegs, und das gehört zum Erlebnis dazu.

Teror
Etwa eine halbe Stunde landeinwärts liegt das hübsche Wallfahrtsdorf Teror mit seinen typischen kanarischen Holzbalkonen und der Basilika der Virgen del Pino, der Schutzpatronin der Insel. Sonntags ist Markttag – und genau dann solltest du kommen.
Probier hier unbedingt den Chorizo de Teror, eine streichfähige, würzige Wurst, die du dir aufs frische Brot streichst. Klingt ungewohnt, schmeckt großartig. Dazu ein Glas Wein, und du hast den authentischsten Vormittag deines Trips.

Jardín Botánico Canario & Caldera de Bandama
Wer noch Zeit hat, kombiniert zwei Stopps am Stadtrand von Las Palmas. Der Jardín Canario ist der größte botanische Garten Spaniens, kostenlos zugänglich und ein ruhiger Spaziergang durch die Pflanzenwelt der Kanaren. Etwas weiter liegt die Caldera de Bandama, ein riesiger Vulkankrater, den du vom Rand aus überblicken oder hinunterwandern kannst.

Der Westen: Agaete & Puerto de las Nieves
Die Westküste ist rauer und grüner als der Süden, und es sind deutlich weniger Touristen unterwegs. Im Fischerort Puerto de las Nieves, dem Hafen von Agaete, reiht sich entlang des Paseo de los Poetas ein Fischrestaurant ans nächste. Hier isst du den Fisch, den die Boote morgens gebracht haben.
Das eigentliche Highlight aber sind die Naturschwimmbecken Las Salinas: mehrere durch Lavaröhren verbundene Meerwasserbecken, geschützt vor der Brandung. Gerade nach Feierabend und am Wochenende triffst du hier auch Einheimische, ein gutes Zeichen dafür, dass es kein reiner Touristenspot ist. Bring deine eigene Ausstattung mit, Liegen gibt es keine.
Vom Hafen legt mehrmals täglich die Fähre nach Teneriffa ab. Wer also beide Inseln verbinden will, ist hier richtig.

Kulinarische Tipps für Gran Canaria
Typische kanarische Spezialitäten:
- Papas arrugadas con mojo: Die Pflichtbeilage der Insel. Kleine, in Salzwasser gegarte Runzelkartoffeln mit zwei Soßen, Mojo rojo (würzig-pikant) und Mojo verde (kräutrig). Gibt es überall, und überall schmeckt es ein bisschen anders.
- Queso de Flor: Ein Käse aus der Gegend von Guía im Norden, der mit den Blüten der wilden Distel statt mit tierischem Lab gelabt wird. Spezieller, leicht herber Geschmack, such danach auf Märkten und in guten Restaurants.
- Barraquito: Der kanarische Kaffee-Klassiker. Geschichtet aus Kondensmilch, Espresso, Likör (Licor 43), aufgeschäumter Milch, Zitrone und Zimt. Der perfekte Nachmittags-Stopp.
Restaurantempfehlung:
- Que Leche, Las Palmas: Kreative kanarische Küche mit modernem Dreh. Klein, beliebt, daher unbedingt vorab reservieren.
Gute Tapas findest du hier:
- Mercado del Puerto, Las Palmas: Eine alte Markthalle, die abends zur Tapas-Meile wird. Entspannter und lokaler als die Touristenrestaurants, ideal zum Durchprobieren.
Gran Canaria: Wo übernachten?
Die große Frage lautet: Strand oder Insel? Wer hauptsächlich am Pool liegen will, ist im Süden gut aufgehoben. Wer die Insel erleben will, wohnt zentraler. Drei Empfehlungen für drei Typen von Urlaub:
Hotel Cordial Plaza Mayor de Santa Ana (Las Palmas): Mitten in der Altstadt Vegueta, kurze Wege zu Kathedrale, Museen und Tapas. Mein Favorit für alle, die Insel statt Hotelanlage wollen.
Lopesan Costa Meloneras (Maspalomas): Großzügige Resortanlage in Strandnähe, ideal, wenn du Pool, Wellness und die Dünen vor der Tür kombinieren möchtest. Klassischer Süd-Urlaub mit Komfort.
Parador de Cruz de Tejeda (Bergland): Etwas Besonderes für Naturfans, ein Berghotel mitten im Inselinneren, direkt am Ausgangspunkt vieler Wanderungen. Wer einmal über den Wolken aufwachen will, ist hier richtig.



Mein Tipp: Wenn dein Trip länger als vier, fünf Tage dauert, kombiniere ruhig zwei Standorte: ein paar Nächte im Norden, ein paar im Süden. So sparst du dir die langen Fahrten und siehst beide Seiten der Insel in Ruhe.
FAQ – die wichtigsten Fragen zu deinem Gran-Canaria-Urlaub
Wie viele Tage braucht man für Gran Canaria?
Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten reichen vier bis fünf Tage. Wer auch baden und entspannen will, plant lieber eine Woche ein.
Wann ist die beste Reisezeit?
Im Grunde ganzjährig, die Insel heißt nicht umsonst „Insel des ewigen Frühlings“. Frühling und Herbst sind ideal: warm, aber nicht zu heiß. Für die beste Fernsicht in den Bergen sind Herbst und Winter top. Einzige kleine Ausnahme ist die Calima, ein heißer Saharawind, der ein paar Mal im Jahr Staub und Dunst über die Insel legt, meist aber nur für ein, zwei Tage.

Braucht man einen Mietwagen?
Für einen reinen Strandurlaub nicht zwingend. Aber sobald du Berge, Dörfer und den Norden sehen willst, ist ein Auto die mit Abstand beste Wahl. Der Bus kommt nicht überall hin.
Warum ist es im Norden anders als im Süden?
Das liegt am Wetter. Der Norden ist grüner und öfter bewölkt, der Süden trockener und sonniger. Deshalb stehen die Strandhotels im Süden, während die spannendste Landschaft eher im Norden und in der Mitte liegt.
Lohnt sich der Roque Nublo auch ohne Wandererfahrung?
Ja. Die Strecke ist kurz und gut markiert. Feste Schuhe und etwas Trittsicherheit reichen aus.
Mein Fazit zu Gran Canaria
Gran Canaria wird ihrem Ruf als Pauschalziel nicht gerecht, jedenfalls dann nicht, wenn man den Süden für die ganze Insel hält. Wer im Strandhotel bleibt, sieht eine schöne Postkarte; wer das Auto nimmt und losfährt, sieht einen ganzen Kontinent im Kleinen.
Genau das macht den Reiz aus: An einem Vormittag stehst du barfuß in den Dünen, mittags wanderst du in 1.800 Metern Höhe zwischen Kiefern, und abends sitzt du in der kolonialen Altstadt von Las Palmas bei einem Barraquito. Wüste, Berge, Atlantik und Stadt, alles an einem Tag erreichbar.
Wenn du dich darauf einlässt und ein bisschen rausfährst, bekommst du eine Insel, die viel mehr kann, als die Reisekataloge versprechen. Und genau deshalb lohnt sich Gran Canaria.
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